Der Stadtrat hat den offenen Brief zur Situation der Kita Schatztrue beantwortet. Da die darin angesprochenen Themen von allgemeinem Interesse sind und der offene Brief auch öffentlich publiziert wurde, stellt der Stadtrat seine Antwort nachfolgend vollständig zur Verfügung.
Antwort auf offener Brief betreffend Kita Schatztrue
Sehr geehrte Initiantinnen und Initianten des offenen Briefs
Sehr geehrte Eltern
Besten Dank für den offenen Brief und die darin ausführlich und konkret dargelegten Anliegen zur Situation der Kita Schatztrue.
Wir können nachvollziehen, dass die heutigen räumlichen und infrastrukturellen Bedingungen bei Ihnen als Eltern Fragen und Sorgen auslösen. Gerade wenn es um die Betreuung und das Wohl der eigenen Kinder geht, sind gute Rahmenbedingungen und ein verlässliches Betreuungsangebot von grosser Bedeutung. Ebenso verstehen wir Ihren Wunsch, dass bei Problemen, die bereits seit längerer Zeit bekannt sind, konkrete Verbesserungen sichtbar werden.
Besonders gefreut hat uns die grosse Wertschätzung, die Sie dem Team der Kita Schatztrue und des Horts entgegenbringen. Der Stadtrat teilt diese Wertschätzung. Das grosse Engagement der Mitarbeitenden und der Leitung trägt wesentlich dazu bei, dass sich die Kinder wohlfühlen und die Eltern ihnen ihre Kinder mit Vertrauen übergeben können. Umso wichtiger ist es, dass auch die räumlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen dieser Arbeit gerecht werden.
Dem Stadtrat ist bewusst, dass die heutige Situation nicht in allen Bereichen zufriedenstellend ist. In den vergangenen Jahren wurden deshalb verschiedene Lösungsansätze und Standorte geprüft. Mit der geplanten umfassenden Sanierung und Erweiterung der Liegenschaft Langstuck mit einem Anbau sowie dem Ausbau des Dachgeschosses soll nun eine langfristige Verbesserung erreicht werden. Dabei geht es nicht nur darum, bestehende räumliche und infrastrukturelle Defizite zu beheben, sondern auch darum, das Betreuungsangebot für die Zukunft weiterzuentwickeln und zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.
Gerne nehmen wir im Folgenden zu den von Ihnen angesprochenen Punkten einzeln Stellung.
Anliegen Nr. 1:
Wir teilen Ihre Einschätzung, dass die hohen Temperaturen in den Betreuungsräumen insbesondere für kleine Kinder, aber auch für die Mitarbeitenden, eine grosse Belastung darstellen können. Dass während besonders heisser Tage mit einzelnen Kindergruppen auf kühlere Räumlichkeiten im Keller ausgewichen werden musste, ist keine befriedigende Dauerlösung.
Der Stadtrat hat deshalb die Kühlung der oberen Räumlichkeiten im Budget 2027 berücksichtigt. Die Umsetzung ist Anfang 2027 vorgesehen, damit die Räumlichkeiten bereits vor der nächsten Hitzeperiode entsprechend gekühlt werden können. Uns ist wichtig, dass die Betreuungsräume auch während Hitzeperioden gut und kindgerecht genutzt werden können.
Anliegen Nr. 2:
Wir verstehen, dass es für Eltern unbefriedigend ist, wenn räumliche Probleme über längere Zeit bestehen und Verbesserungen nicht unmittelbar sichtbar werden. Der Handlungsbedarf ist seit längerer Zeit bekannt. In den vergangenen Jahren wurden deshalb verschiedene Lösungsansätze und Standorte vertieft geprüft.
Mit der geplanten Sanierung und Erweiterung der Kita liegt nun eine langfristige Lösung vor. Der bestehende Standort ist gut gelegen, befindet sich im Eigentum der Stadt und ermöglicht weiterhin die gemeinsame Führung von Kita und Tagesstrukturen. Mit dem geplanten Anbau und dem Ausbau des Dachgeschosses sollen die bestehenden räumlichen und infrastrukturellen Defizite behoben, die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden.
Anliegen Nr. 3:
Wir verstehen die Sorge, ob auch künftig genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen werden. Ein verlässliches Betreuungsangebot ist für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von grosser Bedeutung.
Eine generelle Wartezeit von 9 bis 12 Monaten besteht nach unseren aktuellen Erfahrungen allerdings nicht. Die Wartezeit hängt stark vom gewünschten Eintrittszeitpunkt und den benötigten Betreuungstagen ab. Der grösste Wechsel findet jeweils im Juli und August statt, wenn durch den Übertritt von Kindern in den Kindergarten Plätze frei und neu vergeben werden. Kurzfristige Anfragen für stark nachgefragte Betreuungstage können deshalb nicht immer berücksichtigt werden. Wer bei den Betreuungstagen flexibel ist, findet hingegen eher eine Lösung.
Heute können pro Tag gleichzeitig 12 Kita-Kinder betreut werden. Mit der geplanten Sanierung und Erweiterung erhöht sich diese Kapazität auf 18 Kinder. Die sechs zusätzlichen Plätze stehen an fünf Tagen pro Woche zur Verfügung und entsprechen damit 30 zusätzlichen Ganztagesmodulen pro Woche. Da Familien in der Regel zwei Ganztagesmodule pro Woche beanspruchen, können damit deutlich mehr Familien aufgenommen werden. Beispielsweise würden zehn Familien mit je zwei Betreuungstagen 20 der 30 zusätzlichen Module beanspruchen – zehn Module wären weiterhin verfügbar. Die Erweiterung um sechs Plätze bedeutet somit eine deutliche Erhöhung des tatsächlich verfügbaren Betreuungsangebots.
Anliegen Nr. 4:
Auch Ihre Rückmeldungen zu den Betreuungskosten und zur Nachvollziehbarkeit der Tarife nehmen wir ernst. Uns ist bewusst, dass die Betreuungskosten gerade für Familien mit mehreren Kindern einen wesentlichen Teil des Familienbudgets ausmachen können.
Die Elternbeiträge richten sich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Familien und werden auf Grundlage der geltenden Tarifordnung berechnet. Dabei werden neben dem Einkommen auch die Familienverhältnisse und verschiedene Abzüge berücksichtigt. Die Stadt beteiligt sich an den Betreuungskosten und entlastet damit Familien abhängig von ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
Die Höhe der Tarife und die Ausgestaltung des Subventionssystems wurden politisch festgelegt und gelten seit Anfang 2025. Ein direkter Vergleich einzelner Tarife mit anderen Gemeinden ist nur bedingt aussagekräftig, da sich sowohl die Tarif- und Subventionsmodelle als auch die betrieblichen Rahmenbedingungen der Betreuungsangebote unterscheiden können. Ihre Rückmeldung zeigt uns aber, dass neben der Höhe der Tarife auch deren Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit für die Eltern wichtig sind.
Wir danken Ihnen für Ihr Engagement und dafür, dass Sie Ihre Erfahrungen, Sorgen und Erwartungen so offen an uns herangetragen haben. Auch wenn wir nicht in allen Punkten dieselbe Einschätzung teilen, ist uns wichtig, Ihre Perspektive als Eltern ernst zu nehmen.
Mit der geplanten Sanierung und Erweiterung der Liegenschaft Langstuck sowie den bereits vorgesehenen kurzfristigen Massnahmen sollen nun konkrete Verbesserungen erreicht werden. Unser gemeinsames Ziel ist letztlich dasselbe: gute Rahmenbedingungen für die Kinder, ein verlässliches Angebot für die Familien und gute Arbeitsbedingungen für das engagierte Team der Kita Schatztrue und des Horts.
Wir danken Ihnen für den offenen Austausch und für Ihr Interesse an der Weiterentwicklung der Kita Schatztrue.
Freundliche Grüsse
Stadtrat Stein am Rhein